Zurück ins Sonnenlicht
- vor 2 Tagen
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Der verborgene (und vergessene) Stein im Unterebersoler Wald
Zwischen Ästen und dichtem Gestrüpp, kaum sichtbar für Spaziergänger, steht ein Stein in
einem Wald in Unterebersol. Still, unscheinbar – und fast vergessen. Doch dieser Stein ist mehr als nur Beton. Er erzählt eine Geschichte.
Als ich zum ersten Mal von diesem Stein hörte, wusste ich kaum etwas über ihn. Doch meine
Neugier war geweckt. Irgendetwas an dieser Geschichte liess mich nicht mehr los. Woher kam
dieser Stein? Warum hatte man ihn gemacht – und warum steht er mitten im Wald? Auf der Suche nach Antworten setzte ich mich mit meinem Grossvater Alex Unternährer zusammen. Er begann zu erzählen – von einer Zeit, die viele Jahre zurückliegt.
Früher war die Volksmission ein wichtiger Anlass in der Pfarrei Hochdorf. Etwa alle zehn Jahre
fand sie statt. Während dieser besonderen Zeit kamen viele Menschen aus der Umgebung
zusammen. Es gab jeden Tag Predigten, Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen. In den Jahren 1975 und 1976 entstand die Idee, zur Erinnerung an diese Volksmission einen besonderen Stein zu schaffen. 1976 wurde im Wald von Unterebersol ein grosser Stein gegossen. Am selben Tag fand dort zuvor ein Gottesdienst im Wald statt, gefolgt von einem grossen Familienpicknick. Viele Menschen waren gekommen. Die Atmosphäre war fröhlich und gemeinschaftlich. Der Ort sollte auch später noch genutzt werden – für Waldgottesdienste und Spielnachmittage für Kinder. Dabei kam auch die Kolpingfamilie Hochdorf ins Spiel, dass sie es organisieren durfte. An diesen Nachmittagen wurde grilliert, Suppe gegessen und viel gelacht. Besonders beliebt war das Tannenzapfenschiessen. Am Ende wurde eine Rangliste gemacht, und die Kinder erhielten kleine Preise – Radiergummis oder Bleistifte. Für viele waren diese einfachen Dinge etwas ganz Besonderes.
Die Idee für den Stein kam von Albert von Wartburg. Er fragte meinen Grossvater, ob er einen
solchen Erinnerungsstein herstellen könnte. Der Stein sollte an einen Mühlestein erinnern – als
Symbol der Volksmission. Albert von Wartburg entwarf das Motiv und schnitt es aus Sagex aus. Mein Grossvater arbeitete zusammen mit Jakob Galliker und Josef Elmiger. Gemeinsam bauten sie eine Schalung, in die später der Beton gegossen werden konnte. Der Beton wurde von Hand gemischt und in die Form gefüllt. Mit einem Vibrator wurde er verdichtet, damit der Stein stabil wurde. Eine Woche später entfernten einige Helfer die Schalung. Vorsichtig kratzten sie das Sagex aus der Form. Doch als Albert von Wartburg den fertigen Stein anschaute, fiel ihm etwas auf: Die feinen Linien des Motivs hätten eigentlich hervorstehen sollen. Stattdessen waren sie eingedrückt. Doch da war es bereits zu spät – der Stein war fertig. Also blieb er so, wie er war.
Viele Jahre stand der Stein still im Buechewald. Doch 1999 gab es einen starken Sturm und warf grosse Teile des Waldes um. Danach musste der Stein gesucht werden. Später wurde in der Nähe das Wasserreservoir vergrössert. Der Stein stand plötzlich im Weg. Deshalb wurde er mit einem Bagger an einen neuen Ort versetzt – dorthin, wo er heute steht.
Mein Grossvater erinnert sich noch gut an diese Zeit. Für ihn war es eine grosse Ehre, den Stein herstellen zu dürfen. „Das hat mich sehr gefreut“, erzählt er. Es sei zwar keine besonders
schwierige Arbeit gewesen, aber etwas Bleibendes für die Gemeinschaft zu schaffen, bedeute
ihm viel. Auch heute sagt er: Wenn er nochmals helfen könnte und die Kraft dazu hat, wäre er
sofort wieder dabei.
Vor einigen Jahren veranstalteten wir als Kolpingfamilie den Anlass „Weisch no?“ im Wald in
Unterebersol. Gemeinsam blickten wir auf frühere Zeiten zurück. Dabei wurde auch die Geschichte dieses Steines erzählt. In diesem Moment wurde uns bewusst, wie viele
Erinnerungen mit ihm verbunden sind. So entstand die Idee: Dieser Stein soll nicht länger im Verborgenen stehen. Der Stein, der einst mit viel Einsatz gegossen wurde, soll sichtbar werden. Er wird an einen neuen Ort versetzt – mitten unter die Menschen. Nicht mehr still im Wald, sondern als Zeichen der Gemeinschaft. So wird aus einem fast vergessenen Stein ein sichtbares Symbol für Hochdorf – und seine Geschichte lebt weiter.
Text: Sarah Unternährer
Steineinsegnung
Der Gedenkstein wird aus dem Wald an die Hochdorfer Friedhofmauer versetzt. Wir feiern dieses Ereignis am Sonntag, 28. Juni 2026 mit einer Einsegnung und einem öffentlichen Apéro nach dem 10.30-Uhr-Gottesdienst.












































